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warum nicht auch mal ein Gedicht...
Kriechtier und Lurche
Karl Zuckmayer
Die auf dem Bauche kriechen sind mir freund:
Den breiten Leib mit winzigen Gliedern schleppen,
Durch Sümpfe züngeln und auf Felsentreppen
Nackt in der Sonne brüten, erdgebräunt.
Die Ringelnattern haben mich bekrochen,
Vom Unken meines Herzens angelockt,
Und Krötenaugen ganz vom Gold durchbrockt
In Kerkernächten stumm mit mir gesprochen.
Weißt du, daß manche Kröten nachts wie Weiber singen?
Kennst du den bleichen Axolotl, der in Höhlen lebt?
Sahst du den Kamm des Molches, der vor Liebe bebt,
Und wie die Frösche sich in Brunst und Not bespringen?
Ein grüner Pfeil aus Kupfer, schnellt der Echsen Leib
Durch braune Brombeerstauden, die vor Hitze knistern -
Ich will dem Sumpf und Staube mich verschwistern -
Ein kühler Leib in Erde unter vielem Leib -
Ein Laich in Tümpeln, draus die Quappen schlüpfen,
Ein Larventier mit Kiemenbündeln zart -:
Ich weiß die Sterne, wo ihr große Götter wart
Und wo die Seelen eurer aufgefressnen Väter hüpfen -
Wo Schlangen lautlos wie Geflecht vom Astwerk hingen,
Durch ihre Zungen geht ein dunkler Riß,
selbst wenn sie ihre Opfer lebend schlingen,
Ist nur der Schmerz von einem Liebesbiß.
Einst stand ein Kind am Brunnen stumm gebückt,
Die Nacht mag seiner Glieder Schmäle saugen.
Das Tier am Boden, qualvoll totgedrückt,
Schwimmt selig durch den Tau aus seinen Augen.
dankenswerter Weise bereit gestellt von Petra Gerlach