Wie
sollte eine fachgerechte Quarantäne durchgeführt werden?
Einige
Anmerkungen von Dr. T. Eisenberg, Tierarzt
In diesem Artikel liegt eine verhältnismäßig starke Akzentuierung auf dem Thema "Frösche", eine etwas allgemeingültigere Version ist in der Zeitschrift Reptilia veröffentlicht:
Eisenberg, T. (2003): Wie sollte eine fachgerechte
Quarantäne durchgeführt werden? - Reptilia, Münster 8(1): 66-71. (Nr. 39.
Eine Quarantäne (sprich: Karantäne) dient der Isolierung kranker oder krankheitsverdächtiger Individuen, damit ein Übergreifen von Erregern auf gesunde Lebewesen verhindert wird.
Im Rahmen einer immer stärkeren Popularität der Terraristik und insbesondere der Froschhaltung sowie eines damit assoziierten expandierenden Handels mit Fröschen erscheint eine ordentlich durchgeführte Quarantäne für den Schutz stabiler Bestände unumgänglich. Pathogene wie die Pilze der Ordnung Chytridales sowie die Iridoviren, denen auch beim weltweiten Amphibiensterben große Bedeutung beigemessen wird, müssen uns vor Auge führen, dass auch die einheimischen Amphibienbestände in große Gefahren kommen können, wenn wir unser Hobby zu nachlässig betreiben. Aus diesem Grunde sollten alle neuzugekauften Tiere, aber auch Tiere, die nach mehr oder weniger langer Terrarienhaltung Anzeichen von Krankheiten erkennen lassen, einer Quarantänehaltung unterzogen werden.
Dieser Text soll dazu beitragen, einige wesentliche Punkte, die während einer Quarantäne bedacht werden müssen, richtig umzusetzen.
1. Ort:
Eine Quarantäne findet in Terrarien statt. Am besten eignen sich hierfür spartanisch eingerichtete Glasbehälter. Aufgrund der Notwendigkeit von Desinfektionen sollte auf jede aufwändige Gestaltung verzichtet werden, denn wenn Infektionen nachgewiesen werden, ist es zweckmäßiger, den Inhalt (Pflanzen, Xaxim, etc.) zu verwerfen als diesen zu desinfizieren. Die Frösche müssen auch während einer Quarantäne die Möglichkeit haben, ihre artgemäßen Lebensbedingungen (Beleuchtung, Klima, Futter, Versteckplätze, etc.) vorzufinden, aber es hat sich als nützlich erwiesen, wenn Quarantäneterrarien übersichtlich eingerichtet sind, so dass man die Insassen regelmäßig kontrollieren kann. Geeignet sind z.B. chlorfrei gebleichter Zellstoff oder Schaumstoff und einige zweckgerechte Pflanzen (geeignet sind insbesondere Plastikpflanzen) sowie Versteckmöglichkeiten wie Filmdöschen, Kokosnussschalen, etc. Diese Gegenstände lassen sich auch ohne hohe finanzielle Verluste nach Abschluss der Quarantäne wegwerfen. Die Lüftungsflächen von Quarantäneterrarien dürfen nicht aus Drahtgaze bestehen, an denen sich die Tiere wund scheuern können. Unter Umständen kann es nötig sein, zur Vermeidung von Stress die Sichtflächen ganz oder teilweise abzudecken. Die Quarantäneterrarien müssen hygienisch einwandfrei gehalten werden: Anfallender Kot ist entweder zur Untersuchung einzusenden, in jedem Fall aber unverzüglich zu entfernen. Einmal pro Woche sollten die Behälter gründlich gereinigt werden (s.u.). Nichtgefressene Futtertiere sind zu vernichten.
Obwohl man grundsätzlich für unterschiedliche Terrarien getrennte Gerätschaften und Hilfsmittel (Pinzetten, Petrischalen, Filmdöschen, Futterbehälter, usw.) verwenden sollte, versteht es sich von selbst, dass Quarantäneterrarien ihre eigenen Utensilien erhalten. Die Abschottung vom übrigen Bestand sollte so umfangreich wie nur möglich geschehen, z.B. auch über eigene Sprühgerätschaften. Keinesfalls dürfen Futtertiere oder deren Behälter in etablierte Terrarien verbracht werden. Aufgrund der hohen Kontagiosität (so bezeichnet man die Stärke, mit der eine Infektion auf andere Organismen übertritt) mancher Erreger ist dringend zu einem separaten Raum für die Quarantäne, unbedingt aber zu einer deutlichen räumlichen Trennung zu den restlichen Tieren zu raten. Da Feuchtigkeit bei der Ausbreitung von Sporen die maßgebliche Rolle spielt, muss eine kritische Überprüfung der gesamten Terrarientechnik (Beregnungsanlagen, Ultraschallvernebler, Ventilatoren) erfolgen. Keinesfalls sollten Quarantäneterrarien über Schlauchleitungen oder einen Wasserkreislauf mit anderen Terrarien verbunden sein. Quarantäneterrarien sollten immer zum Schluss eines jeden Versorgungszyklus des gesamten Tierbestands behandelt werden, damit die Ausbreitungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Nach dem Hantieren in Quarantäneterrarien sollte man sich gründlich die Hände und Unterarme desinfizieren oder gleich Einweg-Handschuhe tragen.
2. Dauer:
Die Quarantäne dient der Verhinderung von eingeschleppten Krankheiten. Daher
muss sie ausreichend lange erfolgen. Da auch augenscheinlich gesunde Tiere Träger
von Infektionserregern sein können, müssen grundsätzlich alle neu
angeschafften Tiere eine Quarantäne durchmachen. Auch die schon lange bekannten
Frösche von Halter X sollten keinesfalls bedenkenlos zu Halter Y verbracht
werden, weil bereits veränderte Haltungsbedingungen, Transportstress und ähnliche
Faktoren ausreichen können, um eine unterschwellige, nicht sichtbare Krankheit
ausbrechen zu lassen. Während man bei nachweisbaren Infektionen (z.B. die
meisten Würmer) nach dem Grundsatz verfahren ist, dass nach drei
parasiten-negativen Kotproben ein Tier für gesund befunden werden kann, ergeben
sich bei Krankheiten wie der Chytridiomykose völlig neue Anforderungen:
Erkrankungen, bei denen der Nachweis der Infektion mit relativer Sicherheit nur
am toten Tier möglich ist, können in einer Quarantäne nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden, ganz gleich wie lange sie auch immer dauern mag. Hier
muss man einfach einen verhältnismäßig sicheren Weg beschreiten, bei dem man
die Neuankömmlinge möglichst lange separiert beobachtet, um zu erkennen (oder
sollte man lieber hoffen sagen), dass betreffende Tiere an einer Infektion mit
einiger Wahrscheinlichkeit nicht leiden. Die Quarantäne sollte bei
Amphibien mindestens
6-8 Wochen, am besten jedoch ein halbes Jahr betragen. Auch wenn nach dieser
Zeit keine hundertprozentige Garantie gegeben werden kann, hat man doch dann
zumindest die durchführbaren Mittel bestritten. Selbstverständlich müssen
Wege wie das Einsenden eines frisch getöteten Tieres aus Tier- und
Artenschutzgesichtspunkten abgelehnt werden. Auch ein Zusammenbringen von Neuzugängen
mit einigen „Test- oder Indikatorfröschen“ aus dem stabilen Bestand kann
hier nicht empfohlen werden, weil zudem im Falle der Chytridiomykose bekannt
ist, dass nicht alle Froscharten gleich empfänglich sind, d.h. manche
Froscharten erkranken seuchenartig, andere kränkeln, wieder andere erkranken
gar nicht oder noch nicht.
3. Maßnahmen während der Quarantäne:
Oberstes Ziel ist die Beobachtung der in Quarantäne befindlichen Tiere. Wirken sie gesund oder machen sie einen kranken Eindruck? Fressen sie, wirken sie abgemagert? Zeigen sich Auffälligkeiten am Verhalten, ist die Haut intakt oder verfärben sich bestimmte Regionen. Bei Amphibien stellt die Haut mit das wichtigste Organsystem dar, so dass viele Erkrankungen schon über Hautveränderungen zutage treten.
Setzen die Tiere Kot ab, wie ist die Beschaffenheit desselben? Kot stellt ein wichtiges Untersuchungsmaterial dar, das auf feuchtem Zellstoff einfach gewonnen werden kann. Kot stellt aber auch eine mögliche Ansteckungsquelle dar, weshalb während einer Quarantäne auf ausreichend Hygiene in den Terrarien zu achten ist. Eine Einsendung einer Kotprobe (etwas angefeuchtet in einem auslaufgeschützten Röhrchen) an die einschlägig bekannten Untersuchungsstellen sollte unbedingt durchgeführt werden. Dabei ist einer parasitologischen Kotuntersuchung größte Bedeutung einzuräumen, denn ein Wildfangfrosch, der in der Natur in einem halbwegs stabilen Gleichgewicht mit seiner Parasitenfauna lebt, erkrankt im Terrarium häufig an einem Massenbefall (bspw. Lungenwürmer), da aufgrund des begrenzten Raumes mit einer permanenten Superinfektion zu rechnen ist. Nicht alle Parasiten befallen ihre Wirte auf dieselbe Art und Weise. Insbesondere solche Parasiten, die keines Zwischenwirtes bedürfen und damit einen sogenannten direkten Entwicklungszyklus durchmachen, stellen ernstzunehmende Gefahren für unsere Terrarienpfleglinge dar. Die aus einer Kotuntersuchung erforderlich werdende Behandlung sollte differenziert und schlagkräftig erfolgen. Behandlungen auf Verdacht oder prophylaktische Medikamentengaben sind abzulehnen, sie schaden nicht selten mehr als sie nützen. Bedacht werden muss auch, dass es aufgrund der verschiedenen Stadien der Parasiten (Zysten, Fortpflanzungsstadien, Eier, verschiedene Larven, Adulti) notwendig sein kann, eine zweite oder mehrmalige Behandlung durchzuführen, weil ein Medikament beispielsweise nur gegen adulte Stadien wirksam ist. In diesem Fall ist auch das mehrmalige Desinfizieren des Terrariums während einer Quarantäne notwendig.
Wurden Parasiten festgestellt, so ist nach der Behandlung der Nachweis zu führen, dass die Behandlung erfolgreich war. Da Parasitenstadien nicht immer kontinuierlich ausgeschieden werden, wird im allgemeinen die Parasitenfreiheit erst nach zwei bis drei negativen Kotproben als halbwegs sicher betrachtet.
Eine weitere Pflicht des Tierhalters ist es, jegliches Material, das während einer Quarantäne anfällt, als potenziell infektionsfähig zu betrachten. Dazu gehört auch Abwasser aus betreffenden Terrarien! Um eine mögliche Ausbreitung amphibienpathogener Erreger zu verhindern, müssen derartige Materialien desinfiziert (d.h. die Erreger abgetötet, s.u.) werden, bevor sie entsorgt werden! Eine Ausbreitung bspw. von Chytridien in heimische Amphibienbestände hätte verheerende Folgen, die unter allen Umständen verhindert werden muss!
Sollten während einer Quarantäne Tiere versterben, dann sind diese unverzüglich zur pathologischen Sektion einzusenden (gekühlt aber nicht tiefgefroren). Nur so erhält man die Möglichkeit, eine spezifische Behandlung der verbliebenen Neuzugänge durchführen zu können.
4. Desinfektionsmittel
Desinfektionsmittel dienen der Bekämpfung und Abtötung pathogener (krankmachender) Erreger, die vornehmlich außerhalb des Tierkörpers, bestimmte Substanzen auch auf Haut und Schleimhaut zur Anwendung kommen. Im Gegensatz dazu sind Antiparasitika (gegen Parasiten), Fungizide (gegen Pilze) sowie Antibiotika und Chemotherapeutika (gegen Bakterien) für den Einsatz innerhalb oder auf dem Tierkörper geschaffen. Da es sich bei der letzten Gruppe um spezifische, i.d.R. verschreibungspflichtige Medikamente handelt, die nur nach tierärztlicher Diagnosestellung zur Anwendung kommen dürfen, wird hier nicht weiter darauf eingegangen.
Bei der Auswahl eines Desinfektionsmittels sind einige grundlegende Betrachtungen angebracht:
1. es muss die vorhandenen Erreger wirksam abtöten
2. dazu muss es ausreichend lange einwirken können
3. es dürfen keine giftigen oder ätzenden Rückstände verbleiben
Weiterhin ist zwischen physikalischen und chemischen Verfahren zu unterscheiden. Grundsätzlich sind die physikalischen Verfahren wie Hitze, Dampf, Trockenheit und UV-Licht rückstandsfrei und sind demnach bei entsprechender Wirksamkeit zu bevorzugen. Grundsätzlich unterscheidet man unter den verschiedenen Präparaten folgende Spektren:
· viruzid (tötet Viren)
· virustatisch (hemmt virale Vermehrung)
· bakterizid (tötet Bakterien)
· bakteriostatisch (hemmt bakterielle Vermehrung)
· fungizid (tötet Pilze)
· fungistatisch (hemmt Pilzwachstum)
· sporizid (tötet Pilzsporen)
· antiparasitär (tötet Parasiten(stadien))
· antiseptisch (tötet Mikroorganismen auf Körperoberflächen)
Es ergeben sich für die Desinfektion von Terrarien folgende Kriterien:
1. die Tiere dürfen während der Desinfektion keinesfalls im Terrarium verbleiben.
2. vor der Desinfektionsmaßnahme sollte eine Reinigungsmaßnahme stattfinden. Das Terrarium muss dazu soweit wie möglich leergeräumt sein (ein mit Baumfarnplatten verkleidetes Terrarium mit Bodengrund kann nicht sicher desinfiziert werden), um dem Desinfektionsmittel größtmögliche Angriffsfläche zu bieten. Dabei kann auch der Einsatz eines Seifenreinigers erwogen werden, um Verkrustungen zu lösen. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Seifenrückstände die Wirkung mancher Desinfektionsmittel reduzieren können, weshalb zwischen dem Reinigungs- und dem Desinfektionsvorgang eine gründliche Spülung des Behälters notwendig wird. Man muss sich zudem bewusst sein, dass vor der Desinfektion entfernter Terrarieninhalt nach wie vor als infektiös zu betrachten ist und gesonderter Desinfektionsmaßnahmen bedarf!
3. ein geeignetes Desinfektionsmittel muss in ausreichend hoher Konzentration ausreichend lange einwirken. Dabei sollten aufgrund des erregerhaltigen Inhalts sowie der Aggressivität mancher Desinfektionsmittel Gummihandschuhe getragen werden. Dazu müssen alle Flächen des Behälters mit dem Mittel benetzt sein. Unter Umständen kann das manuelle Auftragen mit einem Schwamm günstig sein.
4. nach dem Desinfektionsvorgang muss das Terrarium mehrfach gründlichst mit klarem Wasser gespült werden. Gerade die empfindliche Haut von Amphibien erfährt durch Spuren von Rückständen irreparable Schäden, u. U. mit Todesfolge! Findet die Desinfektion in Plastikbehältern statt, ist diesem Punkt überragende Bedeutung einzuräumen, denn es existieren Literaturhinweise, nach denen Rückstände von Desinfektionsmitteln aus Plastikbehältern noch über lange Zeit freigesetzt worden sind.
5. das Wiedereinsetzen von Tieren kann erst dann wieder erfolgen, wenn nach gründlicher Spülung kein offensichtlicher „Desinfektionsgeruch“ oder sonstige Spuren mehr wahrnehmbar sind.
Welches Mittel ist nun das geeignetste? Ein allgemein anwendbares Präparat gibt es nicht. Man muss vielmehr den zugrunde liegenden Erreger berücksichtigen und bei der Auswahl die Wirksamkeit gegen die Giftigkeit eines Desinfektionsmittels abwägen. Hinter dem Sammelbegriff „Desinfektionsmittel“ verbergen sich viele verschiedene chemische Stoffgruppen, von denen nur einige wenige für die Anwendung im Terrarium geeignet sind. Bei den anderen Mitteln verbleiben toxische Rückstände, die für lebende Tiere nach Abschluss der Maßnahmen zum Problem werden können. Daher sind die Mittel, die sich selbst zu ungiftigen Stoffen abbauen am besten geeignet.
Alkohol: verdampft relativ zügig und rückstandsfrei. Weil Proteine (Eiweiße) die Wirkung einschränken, und reiner Alkohol proteindenaturierend wirkt (also zu deren Ausfällung führt), hat sich 70% Alkohol als am besten zweckdienliche Verdünnung erwiesen. Alkohol wirkt bakterizid, fungizid, antiparasitär und bedingt viruzid, Sporen werden nicht erfasst. Beispiele: Ethanol, n-Propanol, Isopropanol. Einwirkzeit mindestens 5 Minuten (zu desinfizierende Flächen müssen feucht bleiben). Anmerkung: Es gibt kommerziell erhältliche Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis mit breiterem Wirkspektrum. Allerdings enthalten diese Mittel nicht selten auch noch Tenside oder rückfettende Sustanzen, weshalb sie nicht rückstandsfrei verdampfen.
Wasserstoffperoxid: ist ein Oxidationsmittel. Über die Bildung reaktiver Sauerstoffmetabolite erfolgt eine Desinfektion unter Schaumbildung (dadurch zusätzlich mechanische Reinigung). Wird als 1-3% Lösung angewandt. Als Endprodukt verbleiben nur Wasser und Sauerstoff übrig (großer Vorteil); Nachteil: relativ kurze Wirkungsdauer. Wirkspektrum: Bakterizid, fungizid, bedingt antiparasitär.
Peressigsäure: ist eine organische Säure. Wirkt desinfizierend durch starke Ätzwirkung; antiparasitär, bakterizid, fungizid, viruzid, in höheren Konzentrationen auch sporizid. Vorteil: hervorragend wirksam, wird zu ungiftiger Essigsäure und Wasserstoffperoxid abgebaut; Nachteil: schädigt u.U. Material, weil korrsosiv, starker Essiggeruch, in höherer Konzentration sogar explosiv.
Hypochlorite: sind Salze der unterchlorigen Säure, die in Wasser zu Salzsäure und Sauerstoff zerfallen. Wirken bakterizid durch indirekt oxidierende Eigenschaften; Nachteil: ätzend (schleimhautreizend, gut nachspülen), unangenehmer Chlorgeruch. (häufig in USA verwendet); Beispiel: Natriumhypochlorit 10%ig, 7,5-15ml pro Liter Wasser, u.U. kombiniert mit einem Teelöffel Seifenreiniger.
Chlorhexidin: als 0,1-1%iges Spray nach abgeschlossener Reinigung, wirkt bakterizid, fungizid; Nachteil: färbt. Gründliche Spülung zum Abschluss!
Quarternäre Ammoniumverbindungen: Diese Mittel werden immer wieder kontrovers diskutiert. Sie gehören zu den Invertseifen und damit in die Gruppe der Detergenzien. Ihr Wirkspektrum ist bakterizid und fungizid. Lange Zeit wurde ihnen kanzerogenes Potential (Fähigkeit, Krebs zu verursachen) nachgesagt und sie sind relativ reizend. Sie wurden deshalb für die Terrariendesinfektion von manchen Autoren abgelehnt. Ihre Anwendung sollte soweit wie möglich vermieden werden, weil es für den „Normalfall“ ausreichend Alternativen gibt. Da aber seit einiger Zeit das Benzalkoniumchlorid, das in diese Gruppe gehört, als das „Wunderheilmittel“ gegen Chytridiomykosen gehandelt wird, finden sie hier Erwähnung. Benzalkoniumchlorid darf nur für die Desinfektion von Terrarien verwendet werden. Es wird in einer Konzentration von 2mg je Liter Wasser angewandt und muss 2 Stunden lang einwirken.
5.
abschließende Bemerkungen
Beim derzeitigen Kenntnisstand der bereits erwähnten
Pilzinfektion durch Batrachochytrium dendrobatidis (Chytrid,
Chytridiomykose) scheint eine Infektion eines gesunden Bestandes auch ohne neu
hinzugekommene Frösche möglich. Da eine Verbreitung des Pilzes über dessen im
feuchten Milieu bewegliche Zoosporen verläuft, sind in letzter Zeit gehäuft
Berichte zu lesen gewesen, wonach eine Infektion auch nur über zugekaufte
Futtertiere, Pflanzen oder Einrichtungsgegenstände stattgefunden haben soll.
Auch ein Einschleppen der Erreger über importierte Pflanzen erscheint
theoretisch möglich. Diese Pilze verstoffwechseln als Energiequelle Keratin
(aus der Froschhaut), das bei Gelegen oder Kaulquappen nur in geringer Menge
oder gar nicht vorhanden ist (Kaulquappen besitzen nur um die Mundpartie Keratin
und erkranken daher in der Regel nicht). Trotzdem ist eine Weiterverbreitung des
Pilzes über Laich oder Quappen möglich. Grundsätzlich ist es sicher ratsam,
seine Bestände soweit wie möglich gegenüber potentiellen Infektionsquellen
„geschlossen“ zu halten. Diese Maßnahmen finden in der Nutztierhaltung
bereits lange Anwendung, wo aufgrund großer wirtschaftlicher Risiken die Tiere
in sogenannten „spf-Beständen“ (spezifiziert-pathogen-frei) gehalten
werden. Eine Panikmache dient allerdings der Sache nicht; bei Einhaltung der
grundsätzlichen Hygienekautelen sollte auch das „Händeschütteln“
befreundeter Terrarianer weiterhin möglich sein. Inwieweit der zeitweise
Verzicht auf Froschbörsen zu einer Beruhigung der Lage und Verminderung der
Neuinfektionen führt, erscheint beim gegenwärtigen Kenntnisstand schwer einschätzbar.
Da es sich bei jeder Art von Tierweitergabe sicherlich um
Hauptverbreitungsquellen für Infektionserreger handelt, muss zumindest in
Zukunft der sachkundigen Durchführung, entsprechenden
Überwachung und öffentlichen Diskussion sowie Information eine breitere
Aufmerksamkeit geschenkt werden!
Für konstruktive Anmerkungen zum Manuskript danke ich Herrn Dr. F. Mutschmann, Berlin.
© 2001 T. Eisenberg